19.05.12 - 08:52
Letzte Änderung:
08.10.09
Unser Auslandspraktikum in Leeds
Ivanka Trojanowski & Marcel Dempwolf

- Ivanka Trojanowski

- Marcel Dempwolf
Leeds 30. Juni – 25. Juli 2009
Der folgende Bericht handelt von unserer Fahrt nach Leeds, England.
Unsere Reise begann am 30. Juni und endete am 25. Juli. In der Zeit waren wir im Leedser Kodak-Werk als Praktikanten eingesetzt und haben sowohl dort, als auch in unserer Freizeit bei 2 Tauschfamilien, viel über das Arbeitsleben und die englische Atmosphäre gelernt.
Der Kodak-Betrieb in Leeds, der sich in dem Leedser Vorort Morley befindet, ist erst seit einigen Jahren unter der Leitung von Kodak. Vorher hieß das Unternehmen Horsell und war eine eigenständige Firma.
Es werden dort knapp 400 Menschen beschäftigt, also etwas mehr als die Hälfte vom Osteroder Kodak-Werk. Der prägnanteste Unterschied liegt aber nicht in der Mitarbeiterzahl, sondern in dem Aufbau der Firma. Im Vergleich zu unserem Ausbildungsbetrieb wirkt dort alles sehr eng und unklar geordnet. Das liegt daran, dass das Werksgelände dort nicht die benötigte Größe bietet um alles „Inline“ (= in einer Produktionsstraße) anzuordnen. Mit der Zeit sind dort immer neue Maschinen dazu gekommen, die auf dem vorhandenen Platz, zum Teil ohne direkte Anbindung an den vorhergehenden Produktionsschritt, untergebracht werden mussten.
Trotz aller Unterschiede lässt sich auch Bekanntes finden. Der Aufbau der Maschinen und die Prozessabläufe sind nahezu identisch mit unseren in Osterode. Da in Leeds Platten produziert werden, die auch in Osterode produziert werden, lassen sich Verbesserungen und Innovationen mit geringem Aufwand auf das andere Werk übertragen.
Neu waren für uns dagegen die Sicherheitsvorrichtungen. Da das Leeds-Gelände so schlecht zu überschauen ist, gibt es dort zwei Sicherheitsvorkehrungen. Zum einen sind viele Eingangstüren mit einer Vorrichtung versperrt, die man nur mit einer Schlüssel-Karte öffnen konnte. Zum anderen wird das gesamte Gelände, wie auch viele andere öffentliche Orte in England, mit CCTV überwacht. D.h. Kameras beobachten jeden Bereich auf dem Werksgelände und übertragen die Bilder zum Pförtner.
Alles in allem gesehen gibt es eine ganze Reihe an Unterschieden zum Osteroder Werk. Als Neuankömmlinge, in einem neuen Werk mit einer anderen Sprache als unsere Muttersprache, fühlt man sich zunächst etwas verloren, aber mit der Zeit haben wir einen gewissen Überblick über die Firma bekommen und uns in dem „Labyrinth“ zurecht gefunden.
Dabei geholfen haben uns auch die Leute aus den verschiedenen Abteilungen in denen wir eingesetzt waren. Begonnen haben wir in dem Bereich Health & Safety. Uns wurde erklärt wie man am gesündesten für den Körper arbeitet und während unserer ersten Betriebsrundgänge wurde uns auch gezeigt inwiefern man die Arbeitsplatze und die Arbeit an sich für die Mitarbeiter angenehmer gestaltet hat.
Wir haben auch u.a. im Bereich Finanzen, Personalabteilung, Arbeitsvorbereitung, Einkauf und der Qualitätssicherung gearbeitet. Die Arbeitsabläufe sind den deutschen sehr ähnlich, da Kodak Leeds ebenfalls das SAP System nutzt.
Bei den Mitarbeitern hingegen merkt man doch einen gewissen Unterschied. Die Engländer erscheinen freundlicher und offener für neue Personen. Wir konnten u.a. Bereiche der Produktion sehen, die wir in Deutschland aus Sicherheitsgründen nicht sehen dürfen.
Unsere Arbeit beschränkte sich größtenteils darauf, dass uns Dinge erklärt wurden .Kleinere Aufgaben konnten wir aber auch selbst erledigen.
Beispielsweise werden in Kodak Leeds zu den Morgen-Meetings und auch anderen Meetings so genannte Dashboards benutzt, um die aktuellen Produktions- und Versandzahlen darzustellen und zu präsentieren. Somit ist jeder Arbeiter immer auf dem neuesten Stand. Diese Dashboards wurden von uns überarbeitet und aktualisiert.
Außerhalb der Firma, in unserer freien Zeit, haben wir verschiedene Städte besucht. Von unserer ersten Unterkunft in Outlane war es nicht weit bis nach Huddersfield, von der Größe vergleichbar mit Göttingen. Glücklicherweise fuhren die Busse regelmäßig. Dort gibt es verschiedene kleine Geschäfte, Supermärkte und Restaurants. Es ist jedoch eher eine Universitätsstadt, ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten.
Vom zentral gelegenen Bahnhof in Huddersfield nahmen wir den Zug nach Leeds. Der Bahnhof in Leeds ist sehr gut organisiert. Bereits auf einer Tafel am Eingang sieht man alle Züge die in nächster Zeit abfahren, wo sie abfahren und über welche Orte sie fahren werden. So war es kein Problem den richtigen Zug zu finden.
Leeds bietet viele Möglichkeiten einzukaufen und wir waren praktischerweise gerade in der „Sales“-Zeit da, also dem Sommerschlussverkauf. Das Einkaufszentrum „Victoria Quarter“ ist sehr eindrucksvoll mit seiner hohen Kuppeldecke.
Wir besuchten das Tropenhaus (Tropical World) und das Schmetterlingshaus welches sich in einem Gebäude befand. Man geht dort durch eine tropische Landschaft und kann die Schmetterlinge und Papageien aus nächster Nähe ohne Scheibe oder ähnliche Vorkehrungen betrachten.
Nahe diesem Gebäude befindet sich die Parkanlage Bramham Park.
Das Musikfestival Leeds Festival findet jährlich dort statt und viele Menschen nutzen es um mit ihren Hunden spazieren zu gehen oder sich bei gutem Wetter in die Sonne zu legen. Als wir dort waren hat gerade eine Kricket-Mannschaft trainiert.

Während unseres Aufenthalts hatten wir das Glück, dass die Great Yorkshire Show stattfand. Die Great Yorkshire Show ist in erster Linie Schauplatz für Tiere die auf einem Bauernhof zu finden sind. Neben den Wettkämpfen um die schönsten Schweine, Schafe, Bullen und Esel, gab es auch einen Pferdewettbewerb, an der die Tochter unserer Gastmutter teilnahm. In den vielen kleinen Zelten wurde Zubehör für den Pferdesport, Leckerein aus der Region und diverse andere Schmuckgegenstände oder auch Wohnungseinrichtungen verkauft. Auf einem großen Teil des Geländes wurden Farmgeräte wie Trecker oder Pflugmaschinen verkauft und Maschinen die man für die Tierhaltung benötigt, wie z.B. Melkmaschinen. Das Event zieht jedes Jahr Tausende Menschen an und so war es auch an dem Tag sehr voll.

Auch einen Ausflug zum Strand haben wir gemacht. Entschieden haben wir uns für die Ostküste. Beim Wetter hatten wir Glück, da es nur leicht nieselte, was in England schon gutes Wetter bedeutet. Einige mutige Besucher haben auch gebadet, aber das war uns zu kalt.
Auf dem Rückweg verschlug es uns noch nach Scarborough. Es ist eine beliebte und touristische Küstenstadt in der man auch einen kleinen Jahrmarkt mit Riesenrad und Autoscooter findet.
Zum Ende unseres Aufenthalts haben wir uns noch York angeschaut. Besonders gefielen uns die kleinen Gässchen, die verschiedene Geschäfte beherbergen und typische Englische Pubs. Wir haben uns das York Minster angesehen, die größte mittelalterliche Kirche in England. Ein Tipp von einer Arbeitskollegin war das York Dungeon. Das Dungeon ist ein Gruselkabinett und befindet sich auch in anderen Städten wie London oder auch in Deutschland in Hamburg. Das York Dungeon stellt die dunklen Seiten der Englischen Geschichte da und beschäftigt sich thematisch u.a. mit der Pest oder auch den Kriegen der Wikinger. Sprachlich war es schwierig zu verstehen, da die Darsteller oft mit Akzent sprachen und eine der Zeit angepasste Sprache verwendeten. Trotz der Sprachschwierigkeiten waren es 2 lustige Stunden unter dem Pflaster Yorks. |
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Kulturell betrachtet ist England gar nicht so verschieden und ungewohnt für uns gewesen. Kleine Unterschiede gab es z.B. in der Landschafts- und Hausgestaltung. Die Engländer legen, mehr als wir Deutschen, Wert auf ihren Garten und das generell Grüne drum herum. Unsere zweite Tauschfamilie, Terry und Tina Cook besaßen sogar einen Ausstellergarten, in dem sie die Woche nach unserer Abfahrt ihre erste Gartenshow hatten. Es kamen rund 300 Leute und sie hatten Einnahmen von über 1000 Pfund, die sie für eine Hilfsorganisation zur Bekämpfung von Krebs spendeten.
Hinter dem Haus unserer ersten Tauschmutter, Mel Griffith, war ebenfalls ein großer Garten mit Tieren wie Ziegen und Schafen, die uns schon früh morgens aus dem Schlaf gerissen haben.
Der Baustil ist in England größtenteils der Selbe. So sahen nahezu alle Häuser gleich aus. Typisch für England sind schmale, aber dafür lange Häuser mit einem Garten. Auch die Neubauten sind in einem alten stil gehalten und unterscheiden sich nicht von Jahrzehnte alten Häusern. So war es keine Kunst sich auch mal zu verlaufen, wie wir gleich am ersten Tag schmerzlich erfahren mussten.
Die berühmten englischen Pubs, an denen auch wir natürlich nicht vorbei gekommen sind, sind genau so wie man sie sich vorstellt. Urgemütlich, mit vielen antiken Dingen voll gestellt und eher klein. Neben den hohen Preisen für alkoholische Getränke ist auch der Geschmack des englischen Biers eher gewöhnungsbedürftig.
Unterm Strich können wir uns glücklich schätzen die dreieinhalb Wochen in England verbracht zu haben. Die Erfahrung, die wir dort gesammelt haben, kann man in Deutschland einfach nicht finden. Neben der englischen Sprache, die für uns Hauptziel der Reise war, ist es auch schön kulturell etwas Neues zu erleben und mit so vielen verschiedenen Personen in Kontakt treten zu können.
Ivanka Trojanowski & Marcel Dempwolf
Kodak Graphics Communications
Osterode

