19.05.12 - 09:01
Letzte Änderung:
09.09.10
Mein Auslandspraktikum in Barcelona / Badalona - Spanien vom 2. Juli – 4. August 2010
Ein Bericht von Caja Stemme
Mein Name ist Caja Stemme, und ich bin Auszubildende zur Industriekauffrau im 2. Ausbildungsjahr bei der Firma Sun Chemical in Osterode.
Neben meiner betrieblichen Ausbildung und Berufsschule besuche ich Dienstag- und Donnerstagabend sowie an diversen Wochenenden die Weiterqualifizierungsmaßnahme zur Europakauffrau an der BBS I hier in Osterode
Innerhalb von 2 Jahren erhalte ich Kenntnisse über internationale Geschäftsprozesse mit den Schwerpunkten "Internationales Marketing" und "Abwicklung von Auslandsgeschäften“ sowie on Wirtschaftsenglisch, Spanisch und Informationsverarbeitung. Am Ende eines jeden Moduls wird eine Prüfung abgelegt.
In den 2 Jahren wird ein dreiwöchiges Auslandspraktikum in einem nicht deutschsprachigen, europäischen Ausland verlangt. Hier sollen Sprachkenntnisse erworben werden sowie Einblicke in die Arbeitswelt und die Kultur des Gastlandes.
Dieses Auslandspraktikum fällt - wie auch der Besuch der Europaschule - in die Freizeit und wird vom Teilnehmer finanziert. Mit viel (ganz viel) Glück erhält man einen Stipendium im Rahmen des EU-Programms „LEONARDO da Vinci - Mobilität.
Als ich mich dann im vergangenen Jahr - parallel zu meiner Ausbildung - für die Maßnahme entschieden haben, war es für mich naheliegend, in einem Unternehmen von Sun Chemical dieses Praktikum zu machen.
Infrage kam Wexham in Großbritannien oder Badalona in der Nähe von Barcelona in Spanien. Aufgrund der Zeit (Sommerferien), des damit verbundenen Wetters und der Lage (direkt am Mittelmeer) war Spanien mein Favorit. Ich schickte eine schriftliche Bewerbung an den Leiter der spanischen Niederlassung und erhielt die Zusage, mein Praktikum dort am 12. Juli 2010 antreten zu können.
Da ich bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Spanischkenntnisse hatte, entschied ich mich, vor dem Praktikum eine Sprachschule in Barcelona zu besuchen.Für die 5 Tage Sprachkurs erhielt ich Bildungsurlaub.
Am 2. Juli begann meine Reise - Barcelona, ich komme!!!
Barcelona ist die Hauptstadt Kataloniens und zweitgrößte Stadt Spaniens. Sie liegt am Mittelmeer, ca. 120 Kilometer südlich der Pyrenäen und der Grenze zu Frankreich.
Innerhalb des Stadtgebietes leben etwa 1,6 Millionen Menschen. Der höchste Punkt der Stadt ist der Tibidabo mit 512 Metern. Die Stadt selbst ist von kleinen, meist bebauten Hügeln durchzogen. Der Berg Montjuïc (173 Meter) liegt im Südwesten und überblickt den Hafen. Auf ihm liegt auch die Festung und das Olympiastadion.
In den letzten Jahren entwickelte sich Barcelona zu einem beliebten Touristenziel mit stetig ansteigenden Besucherzahlen. Das Zentrum der Stadt bildet Plaça de Catalunya. Von hier aus zieht sich die Passeig de Gracia, eine Einkaufsmeile, nach Norden. Hier findet man 2 bekannte Bauwerke des Architekten Antoni Gaudi: die Casa Mila und die Casa Battillo.
Im historischen Stadtkern, dem gotischen Viertel, steht die die Kathedrale. Die bekannteste Straße Barcelonas ist die Flaniermeile La Rambla , eine breite Allee, die vom Zentrum bis zum Hafen führt. Dort finden sich zahlreiche Blumen- und Vogelverkäufer, Zeitungskioske, Straßenmusikanten, Akrobaten, Cafés und Restaurants sowie der bekannte Markt Mercat de la Boqueria und der Plaça Reial mit seinen Arkaden und Palmen. Am südlichen Ende der Rambla steht eine Statue von Christoph Kolumbus. Der Hafen beherbergt das moderne Freizeitzentrum und Einkaufszentrum Maremagnum, das neben zahlreichen Diskotheken, Boutiquen, Kinos auch das größte dem Mittelmeer gewidmete Ozeanarium enthält.
Die Sehenswürdigkeit schlechthin ist die Sagrada Familia, an der seit 1882 gebaut wird. Sie ist ebenfalls ein Bauwerk von Antoni Gaudi und gehört – wie einige andere Bauwerke auch – zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Fertigstellung der Kirche soll etwa 2026, dem hundertsten Todesjahr von Gaudi sein.Erwähnenswert für alle Fußballfans ist noch das Stadion des FC Barcelona. Es ist das größte in Europa und fast ca. 100.000 Zuschauer.
Die Sprachschule, die am 5. Juli begann, befand sich direkt in der Innenstadt. Dort verbrachte ich von Montag bis Freitag jeweils 8 Schulstunden am Tag und lernte viele verschiedene Nationalitäten kennen. Im Großen und Ganzen war ich zufrieden, hätte mir aber schon bei 40 Unterrichtsstunden weitaus mehr versprochen.
Meine Unterkunft, ein nettes Aparthotel, befand sich in Badalona.
Badalona ist eine der ältesten Städte in Katalonien und hat ca. 210.000 Einwohner. Die Stadt liegt langgestreckt an der Mittelmeerküste nordöstlich von Barcelona .
Badalona ist eine Stadt mit vielen Kontrasten. Auf der einen Seite findet man einen hervorragenden Strand von 5 km,auf der anderen ist Badalona eine Industriestadt mit Standorten von Erdölraffinerien, Stahlwerken und natürlich Sun Chemical.
In der Innenstadt findet man Spuren römischer Vergangenheit mit Thermen und Mosaiken. Von Badalona aus erreicht man das 10 km entfernte Barcelona mit dem Zug in 20 Minuten.
Der Weg von meinem Apartment zu Sun Chemical ins Industriegebiet von Badalona erwies sich doch länger als gedacht und so legte ich mir ein Fahrrad zu. Leider fand es bereits - bevor ich wieder nach Hause fuhr - einen neuen Eigentümer. Eines Abends war es einfach verschwunden. Nicht umsonst wurde Barcelona zur „Welthauptstadt des Taschendiebstahls“ gekürt. Ich habe sogar gelesen, dass Taschendiebstahl in Barcelona ein „weit verbreiteter und akzeptierter Sport“ sei wie z.B. Fußball. Auf den Polizeistationen gibt es mittlerweile schon Formulare in allen Sprachen.
Also immer schön aufpassen !!!
Am 12. Juli war es dann soweit, mein erster Arbeitstag bei Sun Chemical in Badalona. Die Aufregung war schon ziemlich groß.
Herr Bosch, der oberste Chef, holte mich morgens an meinem Aparthotel ab und zeigte mir den Weg zur Firma. Dort wurde ich sehr nett in Empfang genommen. Man stellte mir viele Mitarbeiter vor, alles Wichtige wurde mir gezeigt und erzählt.
In Badalona gibt es wie in Osterode 2 Firmen: Sun Chemical Pigments und Sun Chemical Mother Plant. Der Geschäftsführer über beide Firmenzweige ist Esteve Bosch.
Sun Chemical Pigments besteht seit 2003 und hat 37 Mitarbeiter. Dort wird blaues und gelbes Flush produziert.
Sun Chemical Mother Plant besteht seit 2009 und beschäftigt 105 Mitarbeiter. In der Herstellung sind Lackfarbe und Tinte sowie alle Farben.Auszubildende arbeiten leider zu Zeit in keinem der Betriebe.
Mein Arbeitstag erstreckte sich von montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr. So hatte ich auch an den Wochentagen Gelegenheit Land und Leute kennenzulernen.
Die normale Kernarbeitszeit bei Sun Chemical Pigments als auch bei Sun Chemical Mother Plant ist - wie auch hier in Osterode - von 8 bis 17 Uhr.
Ich hielt mich hauptsächlich bei Sun Chemical Pigments auf. Dort erledigte ich zunächst die Aufgabe, Rechnungen zu schreiben. Meine Betreuer waren Santi Saumell, der Controller, und Veronica Rodero, eine ehemalige Auszubildende, die für den Einkauf und die Administration von Sun Chemical Pigments zuständig ist. Sie zeigte mir ihre Arbeiten und ich erledigte die Ablage der Rechnungen mit ihr.
Auch in den Bereichen Personalabteilung und Finanzen durfte ich tätig sein. Die Arbeitsabläufe sind den deutschen sehr ähnlich. Eine meiner Aufgaben war, Personalakten neu zu beschriften und danach einzuordnen. Ebenso erhielt ich einen Einblick in das Ablagesystem, welches sich von dem in Osterode nicht unterscheidet.
In den Mittagspausen ging ich mit einigen Kollegen in ein nahegelegenes Restaurant essen, in das es zur Mittagszeit viele Geschäftsleute gezogen hat. Essen wird in Spanien groß geschrieben, es gibt eine unglaubliche Vielfalt. Interessant war es immer, wenn es Muscheln gab. Die landeten selbst bei den routiniertesten Muschelessern oft auf der Hose (aber meistens nicht auf der eigenen).
Zum Ende meines Praktikums verabschiedeten mich alle sehr herzlich und ich muss sagen, es hat mir sehr gut gefallen. Es war schon eine Herausforderung, Praktikumsplatz, Unterkunft und Reise zu organisieren. Auch die anfallenden Kosten hierfür sind nicht unerheblich.
Der Aufwand hat sich aber in jedem Fall gelohnt: Ich hätte sonst nicht die Gelegenheit gehabt, so zahlreiche Erfahrungen, sei es im Umgang mit netten Menschen und Kollegen, mit Arbeitsabläufen in einem ausländischen Unternehmen und der Lebensweise in Spanien zu sammeln.
Es wird sicherlich eine einmalige Angelegenheit gewesen sein, einen Monat am Mittelmeer in der schönsten Zeit des Jahres verbracht zu haben.
Caja StemmeSun Chemical Osterode


